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Position der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege zu den Berliner Wohnungslosentagesstätten

Berlin, 4.10.2018

Die Berliner Wohnungslosentagesstätten sind ein wichtiges ganzjähriges Angebot, welches von einer Vielzahl der wohnungslosen Menschen aufgesucht wird. In den von der Senatsver-waltung für Integration, Arbeit und Soziales einberufenen Strategiekonferenzen zur Woh-nungslosenhilfe am 10.01.2018 und 10.10.2018 und in dem bislang vorliegenden Entwurf zur Weiterentwicklung der Leitlinien der Wohnungslosenpolitik werden die Wohnungslosentages-stätten nur am Rande benannt, aber nicht inhaltlich diskutiert oder auch nur ihre Stellung und Arbeitsweise im Hilfesystem beschrieben.

Obwohl die Wohnungslosentagesstätten ebenso wie die vom Berliner Senat durch das Inte-grierte Sozialprogramm (ISP) geförderten niedrigschwelligen Dienste, gesamtstädtisch ausge-richtet sind, wurden sie gegen ihre Proteste im Rahmen der Verwaltungsreform den Bezirken zugeordnet. In der Rückschau ist dies nicht sachgerecht, vor allem da durch die bezirkliche Zuständigkeit eine gesamtstädtische Bedarfsanalyse, Planung und Beschreibung der Leistun-gen und personellen sowie inhaltlichen Standards für diesen wichtigen Baustein der Woh-nungsnotfallhilfe nicht stattfindet.

Genau wie bei den im ISP geförderten niedrigschwelligen Diensten gilt auch für die Woh-nungslosentagesstätten, dass neben den Versorgungsleistungen ihre Aufgaben darin beste-hen, wohnungslose Menschen ins Regelsystem zu überführen. Durch die angebotenen Ver-sorgungsleistungen werden in den Tagesstätten auch Menschen erreicht, die beispielsweise in den niedrigschwelligen Beratungsstellen und Notübernachtungen nicht ankommen. Durch Vertrauensaufbau, Beratung und Information können Sozialarbeitende Barrieren und Hemm-nisse abbauen und eine bessere Vermittlung in weiterführende Hilfen ermöglichen.

Trotz steigender Wohnungslosenzahlen und einer deutlichen Zunahme von obdachlosen, auf der Straße lebenden Menschen in Berlin erhalten die meisten Wohnungslosentagesstätten seit vielen Jahren Zuwendungen in gleichbleibender Höhe oder sind gar von Kürzungen bedroht oder betroffen. Die freien, gemeinnützigen Träger werden gleichzeitig mit steigenden Preisen der Personal- und Sachkosten und den deutlich zunehmenden Klient*innenzahlen konfron-tiert.

Zudem sind in den letzten Jahren vermehrt neue Zielgruppen hinzugekommen, deren Versor-gung mitunter besondere Herausforderungen an die Tagesstätten stellt bzw. für die besondere Unterstützungsbedarfe benötigt werden, beispielsweise wohnungslose Menschen aus ande-ren Ländern der Europäischen Union, wohnungslose Frauen, Menschen mit schwersten sucht-, psychischen oder körperlichen Erkrankungen und auch Menschen, die einen Rollstuhl benötigen.

Sprachbarrieren und Vermittlungshemmnisse ins Regelsystem, Verdrängung von Zielgruppen sowie Konflikte sind nur einige Beispiele für die besonderen Herausforderungen, denen die Wohnungslosentagesstätten sich zu stellen haben. Dies ist mit der geringen Personaldecke zunehmend schwieriger zu leisten. Die an einigen wenigen Tagesstätten angebundenen Pro-jekte, die aus dem Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP) nur kurzfristig finanziert werden, müssen mit nationalen Mitteln ausgeweitet und ver-stetigt werden.

Die Berliner Wohlfahrtsverbände fordern …

- Die Berliner Wohnungslosentagesstätten müssen im Hilfesystem und bei den Berliner Strategiekonferenzen zur Wohnungslosenhilfe als Teil der gesamtstädtischen Versor-gungsstruktur mitgedacht werden.
- Aufgrund ihres gesamtstädtischen Charakters sollten sie aus der bezirklichen Zustän-digkeit herausgenommen und ins Integrierte Sozialprogramm überführt werden.
- Es muss eine jährliche berlinweite Bedarfserfassung unter Einbeziehung der tatsächli-chen Klient*innenzahlen in den Wohnungslosentagesstätten erfolgen.
- Die Wohnungslosentagesstätten müssen aufgrund der besonderen Herausforderun-gen, der geänderten Bedarfe der Hilfesuchenden und im Hinblick auf neue Zielgrup-pen ausreichend mit Personal- und Sachmitteln ausgestattet werden.
- Die Beratungsangebote, die derzeit über den EHAP finanziert werden, müssen aus-geweitet und verstetigt werden.

Dies bedarf einer engen Zusammenarbeit aller handelnden Akteure: der Bezirke, des Landes Berlin und der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege








Anhang:

Liste der Berliner Wohnungslosentagesstätten:

• AWO Kiez-Café - Tagesstätte für Wohnungslose und sozial schwache Menschen
• 'Café Treffpunkt' der Heilsarmee
• Tagesstätte City Station der Berliner Stadtmission
• Tagesstätte des Sozialprojektes Prenzlauer Berg - Immanuel Beratung
• Tagesstätte Warmer Otto der Berliner Stadtmission
• Tagesstätte ‘Am Wassertor’ - Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e. V.
• Tagesstätte ‘Evas Haltestelle’ - SkF e.V. Berlin
• Tagestreff für Wohnungslose und Bedürftige mit medizinischer Betreuung Weitling-straße - HVD Berlin-Brandenburg KdöR
• Seeling Treff der GEBEWO pro gGmbH
• Soziokultureller Wohnungslosentreffpunkt Unter Druck - Kultur von der Straße e.V.
• Tee- und Wärmestube Neukölln - Diakoniewerk Simeon gGmbH
• Wohnungslosentagesstätte Bürgerhilfe e. V.
• Wohnungslosentagesstätte des Unionhilfswerk Schöneberg

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