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Modellprojekt zur Freiwilligenkoordination in der Wohnungsnotfallhilfe nicht wegkürzen!

Berlin, den 29.09.2025

Seit 2023 fördert das Land Berlin modellhaft Freiwilligenkoordination in Einrichtungen der Wohnungsnotfallhilfe. An vier Standorten entfaltet das Modellprojekt Wirkungen für wohnungslose Menschen und für die Zusammenarbeit von Fachkräften und Ehrenamtlichen – bei überschaubaren Kosten von 200.000 € pro Jahr. Aktuell ist die Weiterführung des Modellprojektes im Doppelhaushalt 2026/2027 akut in Gefahr.

Eine Streichung der finanzierten Stellen der Freiwilligenkoordination an den Standorten würde vorhandene Erfolge zunichtemachen, Betreuungslücken vergrößern und das Signal senden, die politischen Ziele (u.a. „Wohnungslosigkeit bis 2030 beenden“) nicht ernst zu nehmen.


Wir fordern dringend dazu auf, das Modellprojekt an den vier Standorten im Doppelhaushalt 2026/2027 weiter zu fördern und zu verstetigen, um die Zusammenarbeit von Fachkräften und Ehrenamtlichen zu stärken und bestehende Angebote zu sichern.

Darüber hinaus sollte eine wissenschaftliche Begleitung mit Fokus auf die qualitative und quantitative Entwicklung des freiwilligen Engagements sowie die Erarbeitung von Kriterien für bedarfsgerechte Personalschlüssel eingesetzt werden. Ebenfalls sollte Freiwilligenkoordination in der Gesamtstädtischen Unterbringung (GStU) verankert und eine Strategie für die flächendeckende Umsetzung von Freiwilligenkoordination in der Wohnungsnotfallhilfe ab 2028 erarbeitet werden.

FAKTEN & WIRKUNGEN

1. Was ist das Modellprojekt und wie wird es bisher finanziert?

  • Einsatz von Freiwilligenkoordinator*innen mit einem Stellenanteil von 50 % der Vollzeitäquivalenz an den Standorten: TagesTreff für Wohnungslose und Bedürftige Lichtenberg (Humanistischer Verband Berlin-Brandenburg KdöR), Bahnhofsmission Ostbahnhof (IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin gGmbH), Bahnhofsmission Zoo und Notübernachtung Lehrter Straße (beide Verein für Berliner Stadtmission).
  • Ziele sind die Erprobung der systematischen Einbindung und Begleitung von freiwilligem Engagement in den Einrichtungen und die Gewinnung von Erkenntnissen zu Wirkungen von Freiwilligenkoordination und zu tragfähigen Personalschlüsseln.
  • Haushaltsansatz  200.000 € pro Jahr, Einzelpan 11 (SenASGIVA) Kapitel 1150 Titel 68406 in Teilansatz 6: „Projekte für wohnungslose Menschen inkl. Housing First“ (S. 160)

2. Welche Wirkungen und Effekte wurden bisher erzielt?

Die ursprünglich geplanten Mittel für die begleitende wissenschaftliche Evaluierung wurden von der zuwendungsgebenden Stelle nicht bewilligt. Stattdessen konnte das Europa Institut Berlin für eine Zwischenevaluation gewonnen werden , darüber hinaus wurden Effekte von den Einrichtungen selbstständig erhoben. Diese Auswertungen zeigen klare positive Effekte.

Für wohnungslose und obdachlose Menschen:
  • Verbesserte und teilweise Aufrechterhaltung der Grundversorgung durch gezielt koordinierte freiwillige Helfer*innen, beispielsweise in den Bereichen Essensausgabe, Hygiene und unterstützende Gesprächsangebote.
  • Selbstwirksamkeitserfahrungen, Tagesstruktur und Aktivierung persönlicher Ressourcen im Rahmen eines eigenen Engagements (Empowerment).
  • Teilweise Erhöhung der Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten durch die Präsenz von Freiwilligen und Verringerung von Isolation und Stärkung des Selbstwertgefühls durch gemeinsame Aktivitäten und den sozialen Austausch.

Für Freiwillige:
  • Verbesserte Zufriedenheit und Resilienz der Freiwilligen durch die professionelle Begleitung der Freiwilligenkoordination.
  • Stärkung des Bewusstseins für Wohnungs- und Obdachlosigkeit durch Qualifizierungsmaßnahmen und Reflexionsrunden mit anderen Freiwilligen.
  • Höhere Identifikation und Bindung an das Engagement der kontinuierlichen Begleitung und Wertschätzung durch die Freiwilligenkoordination.


Für die Organisationen, den Sozialraum und den gesellschaftlichen Zusammenhalt:
  • Verstärkte Einbindung von Freiwilligen entlastet das hauptamtliche Personal und verbessert die Arbeitsatmosphäre in den Einrichtungen.
  • Professionalisierung der Freiwilligenkoordination führt zur effizienteren Nutzung von Ressourcen und besser abgestimmten Einsatzplänen.
  • Stärkere Vernetzung der Einrichtungen mit dem Sozialraum, wodurch Anwohner*innen mehr Verantwortung für wohnungslose Menschen übernehmen.
  • Freiwilligenarbeit wirkt als Instrument gegen gesellschaftliche Spaltung durch direkte Begegnungen verschiedener sozialer Gruppen.
  • Langfristig trägt die Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlichen Akteuren zur Förderung des Zusammenhalts in einer inklusiven Stadtgesellschaft bei.

Ansprechpartner
Barbara Canton | Koordinierungsstelle Engagement
Arbeiterwohlfahrt Landesverband Berlin e.V.
Hallesches Ufer 30A | 10963 Berlin

Telefon: +49 30 / 253 892 18
Mobil: +49 171 / 812 86 38
E-Mail: [E-Mail anzeigen]

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Positionspapier LIGA FWkoordination Wohnungsnotfallhilfe

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