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Berliner Kältehilfe startet: Wohlfahrtsverbände besorgt – es braucht mehr Übernachtungsplätze

Mindestens 2000 Menschen leben in Berlin auf der Straße. Um diese Menschen vor dem Erfrieren zu schützen, gibt es die Berliner Kältehilfe. Sie startet am 1. Oktober 2022. Kirchengemeinden, Wohlfahrtsverbände, soziale Träger und Hilfsorganisationen stellen in Kooperationen mit den Bezirken in der Zeit von Oktober bis Ende April Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Dazu Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin und Federführung der LIGA Berlin:
„Die Kältehilfe funktioniert nur in einem guten Miteinander von professioneller und zivilgesellschaftlicher Unterstützung. Wir begrüßen die Bestrebung, die Arbeit der Ehrenamtlichen künftig durch das Modellprojekt Ehrenamts-Koordination zu unterstützen. Zusätzlich brauchen wir ausreichend Übernachtungsplätze und Beratungsangebote sowie vor allem mehr preiswerten Wohnraum, um obdachlosen Menschen dauerhaft zu helfen.“

Geplant ist, dass mindestens bis zu 1.000 Menschen jede Nacht mit einem Schlafplatz versorgt werden und warmes Essen erhalten können. Die Tendenz, dass es immer schwieriger wird, ausreichend Übernachtungsplätze zu finden, hat sich auch dieses Jahr fortgesetzt. Nur durch eine große gemeinsame Anstrengung von Senatsverwaltung, Bezirken und vor allem sozialen Trägern kann es gelingen, die Unterbringung obdachloser Menschen in der Kältehilfe zu gewährleisten. Finanziert wird die Kältehilfe, genauso wie die medizinische Versorgung, in hohem Maße durch Spenden. Das kann nicht so bleiben. Die LIGA Berlin fordert eine bessere finanzielle Unterstützung der Angebote durch das Land und die Bezirke.

Dr. Ursula Schoen, Direktorin des Diakonischen Werkes Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz: „Die Kältehilfe steht aktuell vor zahlreichen Problemen: Auf kirchlichem Ehrenamt gegründet ist sie stetig gewachsen. Die staatliche Förderung entspricht aber lange nicht dem Umfang unserer Leistungen. Damit steht die Kältehilfe generell auf tönernen Füßen. Außerdem müssen jedes Jahr jeweils für wenige Monate neue Immobilien und Mitarbeitende im Haupt- und Ehrenamt gefunden werden. Jetzt in der Krise sind die steigenden Energiekosten eine ernsthafte Herausforderung. Dafür brauchen wir kurzfristige, unbürokratische Unterstützung. Perspektivisch muss klar sein: Kältehilfe darf nur ein Notsystem sein. Berlin muss das ganzjährige Hilfesystem so aufstellen, dass es für alle wohnungslosen Menschen die passenden Angebote schafft.“

Die medizinische Versorgung obdachloser Menschen wird aktuell fast ausschließlich durch ehrenamtliches medizinisches Personal gewährleistet und ist in erheblichem Umfang auf Spenden angewiesen. Auch das ist auf die Dauer nicht haltbar und verlangt nach einer zukunftssicheren Lösung durch das Land Berlin. „Die meisten Obdachlosen sind nicht krankenversichert. Sie haben keine sozialrechtlichen Ansprüche und sind deshalb nicht in die Angebote des medizinischen Regelsystems vermittelbar. Der Zugang zu guter medizinischer Versorgung ist ein Menschenrecht und muss auch für obdachlose Menschen und Menschen ohne Krankenversicherung umgesetzt werden. Dafür brauchen wir eine gesicherte Basis-Finanzierung der medizinischen Versorgungsangebote und einen bedarfsgerechten Ausbau im niederschwelligen Bereich“, so Prof. Dr. Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für das Erzbistum Berlin.

Die Kältehilfe ist ein Beweis für das große humanitäre Engagement der Stadtgesellschaft, aber sie ist und bleibt eine Nothilfe und bietet obdachlosen Menschen keine Perspektive. Die LIGA Berlin fordert, dass die Bezirke ihrer Pflicht zur Unterbringung von obdachlosen Menschen in ASOG-Unterkünften inklusive Beratungsangeboten nachkommen.

Pressekontakt:
Kathrin Zauter
Pressesprecherin für die LIGA Berlin
Tel: 030 86 001 175 / mobil 0172 292 45 94
zauter@paritaet-berlin.de

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